Zazen

Vor vielen Jahren erhielt ich eine Einladung: Setz Dich. 

Nimm Dir ein Kissen, oder einen Stuhl. Sitz eine Weile still. In der Stille.

 

Es war die Einladung, die ich in einem Buch las. Von Karlfried Graf Dürckheim.

Zazen, das Sitzen in der Stille war ihm in Japan begegnet.

 

Seine Einladung kam vor 35 Jahren. Damals war ich 30.

Ich sitze noch immer. Auf dem Kissen.

 

Auf dem Kissen, das ich damals kaufte, es auf den Holzfußboden legte und mich setzte. Knie und Köchel schmerzten. Der Boden hart, das aufrechte Sitzen ungewohnt. Die Frage nach dem Sinn unbeantwortet.

 

Aber ich saß. Begegne darin allem, was ist. In mir und außerhalb von mir.

Gedanken, Bilder, Gefühle. Alles betritt die innere Bühne, spricht seinen Text, singt sein Lied, vollzieht seine Bewegung. Und tritt wieder ab. Das ist die Show. Meine Show.

 

 

Oft werde ich Teil der Show, steige ein, oder werde hineingezogen. Auch das gehört zum Sitzen.

 

Ich kann mich abwenden von der Show, mich wieder zuwenden, meinem Atmen, Herzschlag, dem Pulsieren in der Leibmitte.

 

 

Es kann auch still werden. Von einem Moment auf den anderen. Stiller als still.

Durch Gedanken, Bilder und Gefühle hindurch taucht vielleicht eine ungewohnte Weise von Beziehung auf. Eine, die kein Getrenntsein überwinden muss.

 

 

 

Mein Eingeladensein zum Sitzen gebe ich heute weiter. Gerne auch an Dich.

 

Setz Dich.

Bevorzugst Du Kissen oder Hocker? Oder ein Stück Holz? Du kannst probieren und wählen.

 

 

Meine Anleitung zum Sitzen in der Stille ist kurz. Und schlicht.

 

Alles andere bringst Du mit.

 

 

 

Setz Dich. Finde Deine Körpermitte. Von dort bleib aufrecht. Der Kopf wie von einem Faden nach oben gezogen. Das Atmen gibt Dir Halt inmitten der Show.

Mit allem was ist: Sitzen. Nur Sitzen.

 

Und wenn Du Teil der Show wirst, kehre zurück zum Atmen. Wieder und wieder.

 

Sitzen.



Wenn Dich das Sitzen in der Stille anspricht, schreib mir gerne.